Kurien


Kurie freie Berufe, Selbstständige und andere Tätigkeitsfelder

Die Berufsfelder von Kunsthistoriker_innen weiten sich zunehmend aus. Wies die Biografie nach dem Studium der Kunstgeschichte vor wenigen Jahrzehnten zumeist eindeutig in Richtung Universität, Museum oder Denkmalpflege, so steht uns heute eine Vielzahl von Möglichkeiten offen, sei es in der freien, mittels Stipendien oder anderer Einnahmequellen finanzierten Forschung, im Journalismus, in der Nachlassverwaltung, in der Versicherungsbranche, im Kunsthandel – oder aber in gänzlich anderen Branchen wie etwa der PR- oder Werbeindustrie.
Dies ermöglicht uns einerseits personalisierte Nischen zu finden und eigene Posten zu kreieren. Andererseits, entsteht – besonders in der Zeit kurz nach Studienabschluss – oft die Situation sich mit schlechter Bezahlung und prekären Arbeits- und Lebenssituationen auseinander setzen zu müssen.
Zur Diskussion stehen daher individuelle Freiheiten und Flexibilität sowie die Möglichkeit zum eigenständigen Arbeiten einerseits, und die Schwierigkeiten eines häufig diskontinuierlichen Einkommens, die oft prekären Verhältnisse und die (bisweilen oft ungeliebte) Notwendigkeit, die eigenen Leistungen zu vermarkten andererseits. Mehr denn je ist es notwendig, ein breites Netzwerk von Kolleg_innen aufzubauen, das ebenso zum Erfahrungsaustausch wie zur wechselseitigen Vermittlung von Informationen und/oder Aufträgen dient. Als freiberufliche Kunsthistoriker_innen sind wir zudem in steuerlicher und sozialrechtlicher Hinsicht auf uns alleine gestellt.

Als Vertreterinnen der Kurie der Freien Berufe wollen wir daher ein kurienübergreifendes Bewusstsein für die Herausforderungen, die Chancen und die finanzielle Bewertbarkeit freier kunsthistorischer Tätigkeiten schaffen. Zudem wollen wir freiberuflich arbeitende Kolleg_innen dabei unterstützen, ihre (Forschungs)Ergebnisse zu präsentieren und Erfahrungen auszutauschen, beispielsweise über die Verbandszeitschrift Kunstgeschichte aktuell, sowie sich bei Verbandsveranstaltungen generationsübergreifend zu vernetzen. Der von uns geforderte und unterstützte Relaunch der Verbandswebsite soll durch ein für Mitglieder gut zugängliches Mitgliederverzeichnis gerade diesen Austausch unterstützen.

Als Ihre/Eure Vertreterinnen im Vorstand sind wir gerne bereit, kurienspezifische Fragen zu praktischen Themen zu beantworten – oder gegebenenfalls an die zuständigen Stellen zu verweisen. Auch für Anregung und Kritik sind wir jederzeit offen. Wir freuen uns auf zwei produktive und kommunikationsintensive Vorstandsjahre.

Christina Bartosch, Julia Rüdiger

Kurie Universität und Forschungseinrichtungen

Wie positionieren wir uns zweiten Viertel des 21. Jahrhunderts als Universität und Forschungseinrichtung? Was sind die großen Aufgaben? Was sind die Versäumnisse und Chancen?

In unserer von Umbrüchen und schnellen Veränderungen geprägten Zeit kommt den historischen Wissenschaften eine besondere Bedeutung zu. Nicht nur sind die Besucher_innenzahlen der Museen gewachsen, auch die Universitäten verbuchen steigende Zahlen an Studierenden: In Wien gibt es derzeit über 2000 Studierende der Kunstgeschichte (Tendenz steigend!). Somit wird schnell klar, was das Personal an den Universitäten zu stemmen hat. Neben der Lehre ist auch die Forschung ein großes Aufgabengebiet: Gerade der Mittelbau ist dazu aufgefordert, sich durch die Anwerbung von Drittmitteln zu qualifizieren.

Doch nicht nur die aktuelle Arbeitssituation stellt eine Herausforderung dar. Auch die Digitalisierung hat sich nachhaltig auf unser Fach ausgewirkt. Zum einen verspricht das Internet schnellen und uneingeschränkten Zugang zu Daten und Wissen. Zum anderen sind viele dieser Informationen flüchtig, die Quellen unbekannt. Wie positionieren sich die etablierten Institutionen in diesem Fahrwasser? Im Austausch mit nationalen und internationalen Kolleg_innen sollen Methoden gefunden werden, wie man neue Forschungsinstrumente nutzen kann, was die Möglichkeiten und Grenzen dieser sind.

Zugleich geht es auch um die eurozentristisch bedingten „Altlasten“ der Disziplin Kunstgeschichte, um ihre Kanonbildung und Methoden, die einer kritischen Revision bedürfen. Neben der Aufarbeitung von genderspezifischen Themen sind es insbesondere auch die Ansätze einer (noch zu schreibenden) „Global Art History“, die das Fach vor neue und noch ungeahnte Aufgaben stellt. Von zentraler Bedeutung ist nicht nur eine breite Öffnung des Fachs für bislang marginalisierte Regionen und künstlerische Praxen, sondern auch eine verstärkte, inter- und transdisziplinäre Vernetzung mit anderen Disziplinen.

Es ist das Ziel unserer Kurie aktuelle Herausforderungen anzunehmen und sich diesen zu stellen – zuzugreifen, statt sich ergreifen zu lassen. Gerade in der Zeit der virtuellen Unsicherheit bietet der VÖKK hierfür ein stabiles und verlässliches Netzwerk.
Ganz konkret soll der bundesweite Austausch und die Vernetzung einzelner Wissenschaftler_innen gefördert werden – nicht nur an den Universitäten und Forschungseinrichtungen, sondern auch im Dialog mit den Museen.

Als Kurienvertreterinnen möchten wir diese strukturellen Probleme beim Namen nennen, die Sensibilität für das Berufsbild eines/einer Kunsthistoriker_in in der breiten Öffentlichkeit schärfen und mögliche Lösungsansätze im bildungspolitischen Umfeld Österreichs diskutieren.

Julia Allerstorfer, Anna Frasca-Rath

Kurie Studierende

Zu Beginn der letzten Vorstandsperiode stand als großes Ziel das Verbandsleben für Studierende mit zahlreichen angebotenen Veranstaltungen attraktiver zu gestalten. Daraufhin wurde das Kunstgeschichte-Festival initiiert und fand im Mai 2014 erstmals statt. Diese drei- bis viertägige Veranstaltung ist an Studierende gerichtet und bietet die Gelegenheit zur außeruniversitären, kunsthistorischen Vertiefung. Die verschiedenen Programmpunkte in Form von Führungen, Gesprächen und Workshops sollen eine Auseinandersetzung mit Kunst vor Ort, Kontakt mit erfahrenen Kunsthistoriker_innen und Künstler_innen ermöglichen, sowie einen Einblick in verschiedene Berufsfelder gewähren. Das erste Festival wurde sehr positiv mit über 100 Teilnehmer_innen aus ganz Österreich angenommen und konnte somit im Mai 2015 in einer zweiten Auflage und mit mehr als 130 Teilnehmer_innen wieder durchgeführt werden.
Wir als Vertreterinnen der Kurie Studierende wollen das Kunstgeschichte-Festival weiter organisieren und veranstalten. Es laufen bereits die Vorbereitungen für das dritte Festival, welches im Mai 2016 stattfinden wird. Dies ist nur möglich durch die tatkräftige Unterstützung von Pol Edinger, Anna Haas, Lisa-Maria Gerstenbauer, Flora Renhardt und Anna Sauer, welche mit uns das aktuelle Organisationsteam darstellen.
Dabei ist uns auch ein großes Anliegen weiterhin Studierende aus ganz Österreich zu erreichen und sie nicht nur als Mitglieder für den Verband zu gewinnen, sondern auch durch ein attraktives österreichweit stattfindendes Verbandsleben längerfristig zu halten. Erste Pläne sehen dazu vor, enger mit den Studierendenvertretungen zusammenzuarbeiten und durch Veranstaltungen die Vernetzung und den Austausch zwischen den Studierenden zu forcieren.
Die durch Anna Sauer betreuten Facebook-Seiten des Verbandes und des Kunstgeschichte-Festivals finden großen Anklang. Über 1000 User_innen schätzen die beinahe täglich aktualisierten Plattformen nicht nur um Informationen vom Verband, sondern auch von den mit uns vernetzten Institutionen zu beziehen.
Wir freuen uns auf zwei intensive und ereignisreiche Vorstandsjahre und möchten alle Kurienmitglieder dazu ermutigen Anregungen, Ideen und Wünsche an uns zu richten.

Bettina Buchendorfer, Sandra Pummer

Ao. Vorstandsmitglieder: Anna Haas, Lisa-Maria Gerstenbauer, Flora Renhardt, Anna Sauer

Kurie Denkmalschutz, -pflege und -forschung

Die Kurie Denkmalpflege ist die Informationsdrehscheibe im VÖKK, deren thematische Schwerpunkte die Denkmalforschung, der Denkmalschutz und die Denkmalpflege bilden, wobei an dieser Stelle erwähnt sei, dass die Reihung der Themenbereiche die übliche Arbeitsabfolge zum Ausdruck bringt und keine Gewichtung darstellt.

Als Kurienvertreter sind wir um eine proaktive und vernetzte Kurie bestrebt. Dabei sollen aktuelle Themen nicht nur den Verbandsmitgliedern, sondern auch einer interessierten Öffentlichkeit präsentiert werden. Der Bogen soll von aktuellen Forschungsprojekten, die sowohl auf universitärer als auch institutioneller und privater Ebene angesiedelt sind, bis zu Sanierungsmaßnahmen gespannt werden. Das Spektrum an Themen, das dabei abgedeckt wird, reicht von Denkmalunterschutzstellungen, über Erkenntnisse aus den Bauforschungen bis hin zu Ergebnissen von Restaurierungen bzw. Sanierungen von Denkmalen. Auf diese Weise möchten wir die vielfältigen Berufe, die in der Denkmalpflege vertreten sind, einbinden und an dieser Stelle auch zu Wort kommen lassen.

Ferner stellt die Wissensvermittlung ein zentrales Thema der Denkmalpflege dar, dessen Bedeutung vor allem in Zeiten der Partizipation groß geschrieben wird. Die Kurie bemüht sich, ihren Beitrag dazu zu leisten, und sieht sich auch als ein Bindeglied zwischen den Beteiligten in der Denkmalpflege. So soll der kollegiale Austausch und Dialog gesucht und gefördert werden.

Aus diesen Gründen bemühen wir uns, die Themen möglichst breit zu fächern, und hoffen auf Vorschläge für mögliche Projekte und Kooperationen. Damit möchten wir die Möglichkeit schaffen, dass ein kurien– bzw. verbandsgrenzenübergreifender Informationsaustausch gewährleistet ist. Wir laden alle Mitglieder ein, sich mit Beiträgen an den Publikationen und den Tagungen des Verbandes zu beteiligen, und freuen uns über Ihre/Eure Vorschläge und Bereitschaft an der Mitwirkung in unserer Kurie.

Florian Leitner, Markus Schmoll

Kurie Museen, Ausstellungswesen und Sammlungen

Die Kurie Museen, Ausstellungswesen und Sammlungen des VÖKK sieht sich an der Schnittstelle zwischen dem Kunstschaffen vergangener Epochen, zeitgenössischer Kunstproduktion und der heutigen Gesellschaft angesiedelt und möchte eine Informations- und Diskussionsplattform für alle sammlungs-, ausstellungs- und museumsrelevanten Themen bieten. Aktuelle Sonderausstellungen und Sammlungspräsentationen, Forschungs- und Publikationsprojekte sowie Vortragsreihen und Tagungen sollen Inhalt eines regen Diskurses sein. Auch Fragen zu aktueller Sammlungs- und Ausstellungspolitik, zu zeitgenössischen Vermittlungskonzepten sowie zur Rolle der öffentlichen Hand und jener von Privatsammler_innen, Mäzenen und Mäzenatinnen sowie Sponsor_innen im musealen Bereich sollen diskutiert werden.

Neben den traditionellen Kernaufgaben des Museums – Sammeln, Bewahren und Forschen – hat das Ausstellen und Vermitteln zunehmend an Bedeutung gewonnen und macht die Museumsarbeit auch im Sinne des bildungspolitischen Auftrags nach außen hin sichtbar. Auch der Einsatz neuer Medien spiegelt sich vermehrt in vielen Bereichen wider – Sammlungen werden digitalisiert und für ein Fachpublikum wie auch eine interessierte Öffentlichkeit online zugänglich gemacht, moderne Vermittlungskonzepte versuchen ein heterogenes Publikum anzusprechen und Raum für den gesellschaftlichen Diskurs zu bieten.

Die Öffnung nach außen und die Flexibilisierung in der musealen Arbeit haben im Bereich von Museen und Sammlungen zur Entstehung neuer Berufsfelder und auch zu unterschiedlichen Anstellungsverhältnissen bzw. Vertragssituationen geführt. Die Kurie möchte dieser Flexibilisierung als Interessensvertretung Rechnung tragen.

Die Vielfältigkeit an (neuen) Vermittlungsansätzen, kuratorischen Zugängen, wissenschaftlichen Forschungen und organisatorischen Abläufen verdeutlicht stets aufs Neue die Komplexität musealer Strukturen. Über die Grenzen einzelner Berufsfelder und auch Institutionen hinweg soll einem kollegialen und fachlichen Austausch ein besonderes Augenmerk gelten. Hier möchte unsere Kurie als Teil des VÖKK, der nicht an Städte- oder Ländergrenzen gebunden ist, einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung leisten – als Ansprechpartner_in, Initiator_in oder Vermittler_in.

Das in der vergangenen Vorstandsperiode initiierte Veranstaltungsprogramm, das auf großes Interesse stieß, soll weiter ausgebaut werden. Es soll Einsichten in das aktuelle Ausstellungsgeschehen und Blicke hinter die Kulissen gewähren, über die Grenzen der einzelnen Kurien hinweg einen regen Austausch der Verbandsmitglieder ermöglichen und nicht zuletzt auch den Kontakt in die anderen Bundesländer intensivieren.

Stefanie Hoffmann-Gudehus, Manuel Kreiner